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Der Techblog bietet eine Mischung aus Begutachtungen verschiedener Produkte, eigener Fachbeiträge und der Vorstellung von privaten Projekten. Bei Produkten und Projekten soll dabei auch die Alltagstauglichkeit einen hohen Stellenwert bekommen. Daher werden die Beiträge nach einer angemessenen Zeit wieder aufgegriffen, um sie um die erworbenen Erkenntnisse und Erfahrungen zu ergänzen.


Acer Office Line AL2723W - Silentium! E-Mail
Geschrieben von: tpm   
Samstag, den 13. November 2010 um 00:00 Uhr
Immer wieder tauchen im Netz Beschwerden zu PC-Komponenten auf, die nervtötende Geräusche von sich geben. In den meisten Fällen sind hier minderwertige oder mangelhafte Spulen die Verursacher, die bei hohen Frequenzen das Schwingen (ugs. Spulenfiepen) anfangen. Kurioserweise ist dieses Schwingen, je nach Schaltung, oftmals gewollt, aber nur auf Signalebene. Dass die Spulenwicklung wirklich anfangen zu schwingen hingegen nicht. Für einigermaßen begabte Bastler hat sich dafür schon lange eine einfache aber effektive Lösung durchgesetzt - die physische Stabilisierung der Spulenwicklung mit Hilfe von Klarlack. Im Idealfall wird dadurch die gesamte Spulenwicklung umschlossen und kleinste Hohlräume zwischen nebeneinanderliegenden Drähten ausgefüllt. Ein physisches Schwingen ist dann kaum noch möglich.

 

Unter anderem dieses Spulenfiepen ist auch beim Acer Office Line AL2723W der Fall, wenn sich die eingestellte Helligkeit zwischen ~40% und ~80% bewegt. Daneben existiert noch ein niederfrequentes Surren, dass für mich aber nur wahrnehmbar ist, wenn ich von oben in den Monitor hineinhorche. Augrund der enormen Leuchtkraft des Panels ist der obere Grenzwert eher kein Problem. Dafür macht es die enorme Leuchtkraft fast unmöglich, hellere Bildschirminhalte für längere Zeit bei mehr als ~40% Helligkeit zu betrachten. Im Netz kursieren verschiedene Workarrounds, die mittels Anpassung von Helligkeit und Kontrast am Monitor oder diversen Profilen bei den Farbmanagern der Grafikkarten das Problem teilweise mildern.

Nach langen Testphasen wurde aber deutlich, dass all diese Workarrounds keine wirkliche Lösung darstellten. Daher habe ich mich dazu entschieden, dass Problem des Spulenfiepens beim Acer Office Line AL2723W hardwareseitig anzugehen. Auch wenn mir bewusst war, dass dies zum Verlust der Gewährleistung, bzw. Garantie führt, sofern ich die geplanten Maßnahmen nicht unkenntlich rückgängig machen kann.

Daher noch vor Beginn der Bilderstrecke der Hinweis, dass aufgrund der Bearbeitung mit Sprühlack eine Wiederherstellung des Originalzustands verständlicherweise nicht ohne den Neukauf einer Komponente möglich ist. Dabei handelt es sich um das Inverterboard GA178H, dass nach aktuellen Recherchen im europäischen Ausland schon ab c.a. 70€ exkl. zu erwerben ist.

Arbeiten an Bauteilen unter elektrischer Spannung kann lebensgefährlich sein! Ich übernehme keine Verantwortung für mögliche Schäden an Personen oder Material!

 

Die kniffeligste Arbeit war die Demontage des Rahmens von der Rückwand. Hier ist Feingefühl und Geduld gefragt, da neben zwei Schrauben an der Rückwand die Verbindung ansonsten per Clips realisiert ist und bei zu viel Kraft Bruchstellen entstehen können.

 

Demontage des Gehäuses vom Acer Office Line AL2723W Demontage des Gehäuses vom Acer Office Line AL2723W Demontage des Gehäuses vom Acer Office Line AL2723W

 

Den Vorteil der o.a. Bilder hatte ich leider nicht bei der Demontage. Trotzdem ändert sich die grundlegende Vorgehensweise kaum. Anfangs sollte man den Monitor einige Zeit lang vorsichtig in sich verdrehen. Die bei per Clipverbindungen übliche Steifigkeit des Gehäuses mindert sich dadurch und man kann an einer geeigneten Stelle anfangen einen kleinen Spalt auszuhebeln.

Harte Werkzeuge (bspw. Schraubendreher) sind hier fehl am Platz, da sie in der Regel deutliche Arbeitspuren hinterlassen. Am besten man nimmt ein Hilfswekzeug aus Plastik. Wer schmerzfrei ist, kann auch seine Fingernägel einsetzen. Ist einmal ein 2-3mm breiter Spalt herausgearbeitet, verhindert man das Schließen durch das Einfügen eines gefalteten Stücks Pappe. Mit einem zweiten Stück Pappe kann man nun anfangen um das Gehäuse herumzufahren und den Spalt weiterzuführen. Etwa alle 7-10cm sollte man den Spalt durch das Einsetzen weiterer Stückchen Pappe stabilisieren, bis der Spalt um das komplette Gehäuse verläuft.

Dann legt man den Monitor mit dem Display nach unten auf eine weiche Unterlage und beginnt die Rückwand aus dem Rahmen herauszuziehen. Da zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch immer nicht alle Clips vollständig gelöst sind, muss man hier ggf. an den im ersten Bild (Großansicht) markierten Stellen nacharbeiten.

 

Nun muss die metallene Rückwand vom hinteren Teil des Displays entfernt werden. Dieser Schritt beginnt dem Entfernen der integrierten Boxen und dem Bedienfeld. Daraufhin löst man den Kabelstrang an der Steckverbindung (auf den Bildern nicht sichtbar), der seitlich an der metallenen Rückwand erreichbar ist.

 

Entfernen der metallenen Rückwand Entfernen der metallenen Rückwand Entfernen der metallenen Rückwand

 

Jetzt muss der vordere Rahmen entfernt werden, der nur durch ein paar Schrauben an der metallenen Rückwand befestigt ist. Daraufhin entfernt man die Schraubverbindungen, die die metallene Rückwand mit dem Panel verbinden. Da Netzteil und Steuerplatine an der metallenen Rückwand befestigt sind und einige Verbindungen an Platinen ans Panel führen, muss man die metallene Rückwand einseitig anheben, um besagte Steckverbindungen herauszuziehen. Dies ist aber keine schwierige Aufgabe.

 

Der folgende Schritt ist jetzt eigentlich optional, da die Verursacher ja bereits identifiziert sind. Trotzdem möchte ich die Vorgehensweise mit einbinden. Schlauerweise habe ich den Monitor vor der Demontage natürlich auf eine Helligkeitsstufe eingestellt, wo das Spulenfiepen deutlich hörbar ist. Dies ist zwar auch nachträglich möglich, jedoch umständlich und aufgrund dessen, dass der Monitor dabei unter Spannung stehen muss auch nicht ganz ungefährlich.

 

Aufbau zur Fehlersuche und Arbeitsplatz Aufbau zur Fehlersuche in der Nahansicht Typenschild des Panels

 

Wie zu sehen, braucht man bei einem 27" Monitor schon etwas Platz - woran es mir aber nicht mangelte. Da man die Verursacher des Fiepens nicht im ausgeschalteten Zustand ausfindig machen kann, musste ich alle Komponenten soweit wieder verbinden, dass ich den Acer Office Line AL2723W auch in Betrieb nehmen konnte. Im zweiten Bild ist der Testaufbau deutlicher zu erkennen. Das silberne Rundstück auf dem IC auf der vorderen Platine ist nur ein ALU-Rundstück, dass ich zufällig rumliegen hatte und zwecks Kühlung auf das IC legte. Im Nachhinein vielleicht etwas fahrlässig zu bewerten, da ein abrutschen des Rundstücks wohl zu einem Kurzschluss geführt hätte. Nun, ich war ja vorsichtig...

Mit einem Stethoskop, welches ich meiner Freundin entwendete, habe ich mich auf die Suche nach den Verursachern des Fiepens begeben und weil ich dabei war, auch nach den Verursachern für das niederfrequente Surren. Die Schuldigen für das Spulenfiepen waren eigentlich schon offensichtlich - die Inverterspulen auf dem Inverterboard (mittleres Bild; rechts). Mit dem Stethoskop konnte ich dies eindeutig nachweisen. Schwieriger, wenn auch nicht so wichtig, war das Ausfindigmachen der "Surrer", weil dieses Geräusch im demontierten Zustand grob nicht lokalisierbar war. Nach etwa 10 Minuten hatte ich sie dann doch gefunden. Es sind die eben angesprochenen ICs, wovon einer vom ALU-Rundstück verdeckt wird. Wer sich auch an diesem Geräusch stört, dem kann ich zumindest sagen, dass etwas ausgeübter Druck auf die ICs das Surren merklich mindert. Wie das ggf. gelöst wird, soll jedem selbst überlassen bleiben.

Da ich nun die für mich Schuldigen identifiziert hatte, wollte ich mich erstmal im Internet nach Möglichkeiten und Preisen für die Ersatzteilbeschaffung informieren. Da ich die Inverterspulen auslöten wollte, kamen für mich einmal einzelne Inverterspulen und das komplette Inverterboard in Frage. Wer etwas recherchiert, findet europaweit Händler für beides.

Anmerkung: Das Auslöten ist in zweierlei Hinsicht notwendig. Zum einen muss man die selbstklebenden Schutzfolien entfernen, welche die Wicklungen umschließen, was eigentlich nur vernünftig geht, wenn die Inverterspule frei liegt. Zum anderen muss der Klarlack von beiden Seiten ordentlich aufgetragen werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

 

Mit der Gewissheit, dass im Fall der Fälle ein Rollback möglich wäre, habe ich mich dem Inverterboard angenommen.

 

Inverterboard in der Vollansicht Inverterboard Barcode Inverterboard Modellbezeichnung

 

Zur Freilegung des Inverterboards mussten nur einige Stecker und Schrauben gelöst werden. Dann ging es an die einzelnen Inverterspulen. Diese abzulöten war gar nicht einfach. Der Schwierigkeitsgrad steigt mit der Anzahl der Lötverbindungen. Auch hier ist Gewalt fehl am Platz, da immer die Gefahr besteht, dass man Kontaktflächen aus der Platine herausreißt. Wegen der Schutzfolien kam hier der Einsatz eines Heißluftföhns nicht in Frage.

So musste erstmal, soweit möglich, alles Lötzinn von den Lötstellen entfernt werden. Am ehesten eignet sich hier ein Entlötkolben. Damit waren die Verbindung aber noch nicht vollständig gelöst. Ein kleiner Rest Lötzinn sorgte immernoch für genügend Kontaktfreude. Hier half nur wieder ein Zusammenspiel aus leichtem Anhebeln und Entlöten. Jeweils an der Lötstelle, an der man gerade arbeitet. Zum Anhebeln nimmt man anfangs irgendein sehr flaches Hilfswerkzeug, welches in der Nähe der ersten Lötstelle zwischen Inverterboard und Inverterspule gedrückt wird. Der Druck darf gerade so groß sein, dass sich das Hilfswerkzeug von selbst hält. Entlötet man nun an gewählter Stelle weiter, sollte sich die Lötverbindung lösen und freiliegen. Nach diesem Prinzip arbeitet man sich weiter vor, bis die komplette Inverterspule frei liegt. Anschließend sollte man noch die Lötstellen von Lötresten befreien.

 

Vor der Bearbeitung mit Klarlack mussten noch die Schutzfolien entfernt werden. Auch hier ist äußerste Vorsicht angesagt. Die feinen Spulenwicklungen sind sehr schnell durchtrennt. Ein einziges durchtrenntes Drähtchen der Wicklungen und die Inverterspule ist nur noch Schrott. Ich habe mir hier ein Skalpell zur Hilfe genommen. Die äußere mittlere Schutzfolie ist gefahrlos zu entfernen. Bei den restlichen Schutzfolien habe ich diese erstmal seitlich ganz vorsichtig angehoben, um sie von den Wicklungen abzuheben. Daraufhin wurde das Skalpell durchgeschoben um die Schutzfolie aufzutrennen. Da die Schutzfolie aber selbstklebend ist, kann man sie noch nicht einfach auf der entgegengesetzten Seite herausziehen.

Eine brauchbare Methode ist eine Seite der Schutzfolie mit einem sehr dünnen Hilfwerkzeug - ich habe wieder das Skalpell verwendet - an die innere Seite des Gehäuses zu drücken und nach hinten durchzuschieben. Hat sich auf der entgegengesetzten Seite eine kleine Schlaufe gebildet, kann man nun die Schutzfolie herausziehen und die andere Seite ist dann auch kein Problem mehr.

 

Inverterspule entlötet Kontaktflächen ummantelt Schablone

 

Außerdem wurden noch die Kontaktflächen ummantelt. Ich habe dies mit einfachem Tesafilm gemacht. Prinzipiell eignet sich hier alles, was vor dem Lack schützt. Des Weiteren sollte man sich eine Schablone (20mm x 30mm) aus einem größeren Stück Pappe ausschneiden, welche die Sprühfläche begrenzt. Das reduziert zusätzlich Lackrückstände auf den ummantelten Kontaktflächen. Ein weiteres Stück Pappe dient als Unterlage.

Die Behandlung mit Sprühlack sollte im Freien erfolgen. Zum einen ist der Geruch nicht gerade angenehm. Zum anderen verhindert man damit Rückstände auf Einrichtungsgegenständen. Gemäß der Gebrauchsanweisung habe ich den Klarlack in 3 Schichten aufgebracht. Jeweils in einem zeitlichen Abstand von c.a. 6h (Trockenzeit). Nach der letzten Behandlung habe ich alle Inverterspulen nochmal über Nacht austrocknen lassen.

Am nächsten Tag wurden dann die Ummantelungen entfernt. Zur Sicherheit wurden die Kontaktflächen der Inverterspulen nochmal mit feinem Schmiergelpapier behandelt und deren Leitfähigkeit mit einem einfachen Multimeter geprüft. Schließlich wurden die Inverterspulen wieder eingesetzt, verlötet und der Monitor wieder zusammengebaut.

 

Das Ganze habe ich bereits vor einigen Monaten gemacht. Weil ich damals noch nicht den mittelfristigen Erfolg vorhersehen konnte, habe ich mit diesem Artikel noch einige Zeit gewartet. Mittlerweile kann ich aber bestätigen, dass bisher keine negativen Nebenwirkungen festzustellen sind. Dafür ist das Spulenfiepen seit der Modifikation vollständig verschwunden - egal bei welchen Monitoreinstellungen.

 

 
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